Kann man Barfußschuhe bei Fehlstellungen tragen?

Kann man bei Fehlstellungen wie Hallux Valgus oder Spreizfuß Barfußschuhe tragen oder sollte man es besser gar nicht erst versuchen?

Hier findest du die Antwort und ich erkläre dir genau, worauf du achten solltest.

Eignen sich Barfußschuhe bei Fehlstellungen?

Ob es empfehlenswert ist, Barfußschuhe zu tragen, hängt von der Schwere der Fehlstellung und dem Grad der Deformation der Füße ab.

Viele leichtere Fehlstellungen müssen nicht mit orthopädischen Einlagen oder operativen Eingriffen behandelt werden. Oft ist eine Kräftigung der Fußmuskulatur durch geeignete Übungen ein guter Weg, um die natürliche Funktion des Fußes zu verbessern oder wiederherzustellen.

Ein sehr gutes Training ist das Barfußlaufen, mit dem du aber sehr langsam und vorsichtig beginnen solltest, falls du es nicht gewohnt bist. Auch durch das Tragen von Barfußschuhen wird die Muskulatur gekräftigt. Das solltest du ebenalls sehr langsam angehen, zunächst (halb-) stundenweise und dann langsam steigern, solange es dir gut tut. Am besten erst zu Hause, dann auf kürzeren Spaziergängen draußen.

Die Vorteile von Barfußschuhen

Das Tragen von Barfußschuhen hat ein paar ganz große Vorteile:

  • sie sind leicht,
  • sie sind anatomisch korrekt geschnitten,
  • die weite Zehenbox engt die Zehen nicht ein,
  • das Obermaterial ist oft leicht und flexibel.

Das vermindert den Druck auf gereizte Gelenke, die Zehen werden nicht mehr zusammengedrückt und haben wieder Bewegungsfreiheit und Raum, sich aufzufächern. Das allein kann schon viel Erleichterung verschaffen, ich habe da schon etliche positive Berichte von Betroffenen gehört.

Mögliche Probleme beim Umstieg umgehen

Allerdings können die dünnen Sohlen bei bestehenden Fehlstellungen auch unangenehm sein. Bei einem Spreizfuß kann z. B.  die Belastung für den Ballen zu groß werden, bei einem Hallux Valgus kann der Druck auf das Großzehengelenk unangenehm werden. Auch bei einem Fersensporn sind dünne Sohlen ganz ohne zusätzliche Dämpfung keine gute Idee.

Barfußschuhe mit etwas dickeren Sohlen findest du z. B. in meinem Artikel Barfußschuhe für Einsteiger. Grundsätzlich kannst du aber auch einfach deine Barfußschuhe mit Einlegesohlen ausstatten, die so dick und weich sind, wie es für dich angenehm ist. Man kann die meisten konventionellen Einlegesohlen nämlich für Barfußschuhe passend zurechtschneiden.

Wenn du orthopädischen Einlagen tragen musst, ist das grundsätzlich auch in Barfußschuhen möglich, diese Schuhe bieten genügend Raum dafür.

Eventuell musst du mit dickeren Einlegesohlen oder Einlagen deine Barfußschuhe eine Nummer größer wählen. Damit hast du dann kein so direktes Barfußgefühl mehr. Trotzdem profitierst du noch von einigen Vorteilen gegenüber konventionellen Schuhen:

  • du hast einen wesentlich besseren Bodenkontakt,
  • du trägst leichte Schuhe, die nicht drücken
  • und hast eine sehr gute Zehenfreiheit
  • durch den Nullabsatz wird das Gewicht nicht auf den Vorfuß verlagert.

In jedem Fall solltest du den Umstieg auf Barfußschuhe sehr vorsichtig und langsam angehen. Trage sie anfangs nur für kurze Zeit und immer nur so lange, wie es dir gut tut.

Barfußschuhe sind kein Allheilmittel bei Fehlstellungen

Nur durch das Tragen von Barfußschuhen werden Fehlstellungen nicht beseitigt. Zusätzlich ist es eine gute Idee, aktiv etwas für deine Füße zu tun. Ein sehr gutes Buch mit tollen, teilweise sehr sanften Übungen speziell bei Vorfußproblemen kann ich dir hier wärmstens empfehlen:

Vorfußprobleme und Fußtraining: Die Zehen und Füße durch Übungen stärken – beste Hilfe bei Hallux valgus, Spreizfuß, Hammerzehen & Co.*

Mehr Übungen und einen guten Überblick findest du in diesem Buch.

Gut zu Fuß ein Leben lang: Trainieren statt operieren: Die besten Übungen aus der Spiraldynamik®*

Für wen sind Barfußschuhe nicht geeignet?

Bei bereits stark deformierten Füßen kann das Gehen in Barfußschuhen auch kontraproduktiv sein und die Beschwerden verschlimmern. Wenn das Barfußlaufen schon sehr unangenehm oder schmerzhaft für dich sein sollte, solltest du besser Schuhe tragen. Ob das Gehen in Barfußschuhen (in dem Fall am besten mit passenden Einlagen/Einlegesohlen) für dich angenehm ist, probierst du am besten mit günstigen Barfußschuhen ganz vorsichtig aus.

Bei schweren Fehlstellungen mit Schmerzen oder falls du mit deiner Fehlstellung schon in Behandlung bist, sollest du mit deinem Arzt oder Therapeuten besprechen, ob das Tragen von Barfußschuhen für dich in Frage kommt.

Alternativen zu Barfußschuhen

Falls du mit den dünnen Sohlen nicht zurecht kommen solltest, gibt es trotzdem noch Alternativen mit etwas dickeren Sohlen, die deinen Füßen gut tun und sie nicht einengen Sieh dich mal bei Joe Nimble* um, dort gibt es Sportschuhe (die du auch in der Freizeit als Sneaker tragen kannst) und Wanderschuhe.

Das Besondere an diesen Schuhen: Sie sind anatomisch geschnitten und bieten dir maximale Zehenfreiheit, dazu haben sie einen Nullabsatz. Das bedeutet, dass die Ferse nicht erhöht ist.

Die meisten Modelle von Joe Nimble haben etwas dickere Sohlen, die den Auftritt dämpfen. Vergleichsweise dünne Sohlen haben z. B. die  nimbleToes, die eine feinfühligere Sohle mit schönem Barfußgefühl haben. Außerdem gibt es noch eine herausnehmbare, sehr angenehme Einlegesohle, die leicht dämpft.

Wenn es etwas eleganter sein soll, empfehle ich dir die Schuhe von Bär*. Auch diese bieten dir eine tolle Zehenfreiheit und engen deine Füße nicht ein. Hier findest du sportliche Modelle, aber auch schicke Stiefel, Schnürschuhe, Slipper, Ballerinas. Eben einfach alles was zu deinem Stil passt und dabei deine Füße entlastet.

Barfußschuhe und Hallux Valgus

Eine der häufigsten Fehlstellungen: Fuß mit Hallux Valgus und normaler Fuß im Vergleich
Hallux Valgus

Ein Hallux Valgus ist eine Fehlstellung der Großzehe in Richtung der Körperaußenseite, die schmerzhaft sein kann. Verursacht wird diese Fehlstellung durch

  • zu enge Schuhe,
  • ein schwaches Bindegewebe
  • oder andere bestehende Fehlstellungen wie z. B. einen Spreizfuß.

Wenn du noch keinen Hallux Valgus hast, kann das Tragen von Barfußschuhen dazu beitragen, dass sich ein solcher erst gar nicht entwickelt, da die Zehen arbeiten können und nicht zusammengedrückt werden. Durch Barfußlaufen kann die Fußmuskulatur zusätzlich gekräftigt werden.

Falls du schon einen Hallux Valgus hast, hat das Tragen von Barfußschuhen einige Vorteile für dich: Sie sind leicht und engen durch den anatomischen Schnitt deine Zehen nicht ein. So wird die Fehlstellung nicht verstärkt und der große Zeh kann sich wieder gerade nach vorne ausstrecken. Außerdem gibt es durch den weiten Schnitt der Zehenbox und das meist weiche Obermaterial keinen zusätzlichen Druck auf das Großzehengelenk, was schon Erleichterung verschaffen kann.

Wenn dein Großzehengelenk gereizt ist oder du einen Spreizfuß hast, kann der Auftritt durch die dünnen Sohlen der Barfußschuhe anfangs oder auch dauerhaft zu hart sein. In dem Fall empfehle ich dir, die Barfußschuhe mit etwas weicheren Einlegesohlen zu tragen. Du hast so immer noch einen guten Bodenkontakt und profitierst von der Zehenfreiheit, auch wenn das Barfußgefühl dann nicht mehr ganz so unmittelbar ist.

Allerdings können Barfuschuhe einen Hallux Valgus nicht heilen. Hier gibt es verschiedene nicht-operative und operative Behandlungsmethoden. Ein sehr gutes Buch mit tollen, teilweise sehr sanften Übungen kann ich dir hier wärmstens empfehlen:

Vorfußprobleme und Fußtraining: Die Zehen und Füße durch Übungen stärken – beste Hilfe bei Hallux valgus, Spreizfuß, Hammerzehen & Co.*

Noch mehr Infos zum Hallux Valgus und eine Anleitung zu speziellen Übungen findest du hier.

Barfußschuhe und Spreizfuß

Bei einem Spreizfuß ist das Quergewölbe des Fußes nicht mehr stabil. Die Mittelfußknochen, die eigentlich parallel zueinander liegen, bewegen sich auseinander. Der Vorfuß wird breiter und es können Schmerzen im Bereich des Ballens enstehen. Ein Spreizfuß ist sehr selten angeboren, sondern wird z. B. verursacht durch

  • Bewegungsmangel,
  • Tragen von High Heels (zu viel Gewicht auf dem Vorfuß),
  • langes Stehen in Schuhen mit hohen Absätzen
  • schwaches Bindegewebe,
  • Verletzungen.

Ein gutes Training zur Vermeidung eines Spreizfußes ist das Barfußlaufen. Auch wenn du schon einen Spreizfuß hast, kann das Barfußlaufen deine Fußmuskulatur und damit auch das Quergewölbe kräftigen.

Das Gehen in Barfußschuhen hat einige Vorteile: Die Zehenbox ist weit geschnitten, so dass dein Ballen genügend Raum hat. Druckstellen auf die strapazierten Gelenke werden reduziert. Durch den Nullabsatz wird das Gewicht nicht auf den Vorfuß verlagert.

Allerdings können die dünnen Sohlen auch Probleme verursachen, wenn der Auftritt zu hart ist. Bei einem Spreizfuß sind oft Schwielen oder Hühneraugen unter dem Ballen vorhanden. Das Fußballenfettpolster ist verkleinert, wordurch eine Metatarsalgie (Schmerzen im Mittelfuß) auftreten kann. In diesen Fällen ist der Ballen sehr sensibel und sollte auf jeden Fall vor Überlastungen und unnötigen Reizungen geschützt werden.

Das bedeutet nicht, dass du keine Barfußschuhe tragen kannst. Allerdings ist es eine gute Idee, weiche Einlegesohlen zu tragen und/oder Barfußschuhe mit etwas dickeren Sohlen zu wählen (du findest welche im Artikel Barfußschuhe für Einsteiger).

Du hast dann ein weniger direktes Barfußgefühl, aber trägst trotzdem leichte, anatomisch geformte Schuhe mit einer großzügigen Zehenbox. In jedem Fall solltest du langsam ausprobieren, ob dir das Gehen in Barfußschuhen gut tut und anfangs immer nur kurze Strecken gehen.

Dieses tolle Buch mit sehr sanften Übungen kann ich dir nur ans Herz legen:  Vorfußprobleme und Fußtraining: Die Zehen und Füße durch Übungen stärken – beste Hilfe bei Hallux valgus, Spreizfuß, Hammerzehen & Co.*

Noch mehr ausführliche Infos zum Thema Spreizfuß und Übungen findest du hier.

Barfußschuhe und Senkfuß oder Senk-Spreizfuß

Bei einem Senkfuß oder auch Plattfuß ist das Längsgewölbe des Fußes abgesenkt. Oft tritt das zusammen mit einer Absenkung des Quergewölbes, dem so genannten Spreizfuß. Diese Fehlstellung wird dann Senk-Spreizfuß genannt. Zum Spreizfuß lies auch den Abschnitt oberhalb.

Da der Senkfuß beim Gehen einknickt, wird er auch Knickfuß oder Knick-Senkfuß genannt. Ein Senkfuß kann angeboren sein oder verursacht werden durch z. B. :

  • unpassende oder zu enge Schuhe,
  • schwaches Bindegewebe,
  • langes und häufiges Stehen,
  • Übergewicht,
  • Verletzungen

Vermindern kann man das Risiko der Entstehung eines Plattfußes durch das Vermeiden von starken, einseitigen Belastungen, häufiges Barfußgehen und gezielte Kräftigung der Fußmuskulatur.

Bei leichten Formen treten oft gar keine Beschwerden auf, die Fehlstellung muss dann auch nicht zwingend behandelt werden. Sollten Probleme auftreten, sind kräftigende Übungen oft eine gute Option. Barfußschuhe können für dich ein guter Ausgleich zu engen Schuhen sein und deinen Füßen etwas Erholung verschaffen. Auch wird die Fußmuskulatur besser gekräftigt.  Natürlich verschwindet ein Senkfuß nicht durch das Tragen von Barfußschuhen, ergänzende Übungen sind auf jeden Fall zu empfehlen.

Viele ausführliche Infos zum Senkfuß und Übungen findest du hier.

Buchtipps zu Übungen bei Fehlstellungen

Letzte Aktualisierung am 5.10.2022 um 14:47 Uhr / * = Affiliate Links / Quelle Bilder: Amazon Partnerprogramm / Bitte beachten: Die Preise können nach dem Zeitpunkt der letzten Aktualisierung gestiegen sein. Eine Echtzeit-Aktualisierung ist technisch leider nicht möglich. Maßgeblich sind die Preise, die auf der Webseite des Verkäufers zum Zeitpunkt des Kaufs angegeben werden.


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Hinweis: Diese allgemeinen Informationen sind kein Ersatz für einen kompetenten medizinischen Rat. Wende dich sich bei Fragen zu deiner Gesundheit an deinen Arzt oder Therapeuten, besonders wenn du Beschwerden haben solltest.
Julia

Mein Name ist Julia, ich bin gerne draußen, liebe die Natur und trage seit 2015 fast nur noch Barfußschuhe.

Ich teste leidenschaftlich gerne neue Barfußschuhe und Zubehör. Hierzu schreibe ich ausführliche Erfahrungsberichte und gebe viele nützliche Tipps rund um Minimalschuhe.

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