Warum Barfußschuhe?

Verschiedene Barfußschuhe
Verschiedene Barfußschuhe

Barfußschuhe werden immer beliebter. Aber was steckt dahinter, nur ein Trend?

Warum sind diese Schuhe nicht nur im Laufsport, sondern auch in Alltag und Freizeit so beliebt? Sind Barfußschuhe gesund oder nicht?

Hier gibt es die Antworten.

Die meisten konventionellen Schuhe versuchen durch bestmögliche Dämpfung und Stützelemente den Fuß zu schützen. Es scheint so, dass unsere Füße ziemlich instabil und schutzbedürftig sind. Aber stimmt es wirklich, dass sie nur mit festen Schuhen funktionsfähig sind?

Der menschliche Fuß hat sich nämlich ganz ohne festes Schuhwerk zu dem entwickelt was er heute ist. Unsere Vorfahren benutzten allenfalls Leder- oder Fellstücke als Schutz vor Verletzungen und extremen Temperaturen. Und sie liefen so bis zu 40 km pro Tag, Strecken die heute nur noch Marathonläufer zurücklegen.

Das Barfußlaufen ist die natürliche Form der menschlichen Fortbewegung. Auch ohne feste Schuhe war der Mensch in seiner Entwicklung sehr erfolgreich. In den Ländern, in denen die meisten Menschen heute noch barfuß laufen, sind die hier alltäglichen Probleme mit Füßen, Knien, Hüfte und Rücken nahezu unbekannt.

Unsere Füße bestehen aus je 26 Knochen, 33 Gelenken, 20 Muskeln und über 100 Bänder.  Dazu besitzen sie unzählige Nervenzellen. Füße sind kleine Wunderwerke: Sie können unseren Gewicht abfedern, Bodenunebenheiten ausgleichen und wichtige Informationen für den Gleichgewichtssinn liefern.

Wenn wir sie in unpassenden, zu engen oder zu stark gedämpften Schuhen einsperren, bleiben diese Fähigkeiten ungenutzt und verkümmern.

„Der Fuß ist ein Kunstwerk aus 26 Knochen, 19 Muskeln und 107 Bändern. Ein Kunstwerk braucht einen Rahmen, keinen Käfig.“
-Leonardo da Vinci

Wie Schuhe unseren Körper beeinflussen

Viele Schuhe sind so starr und eng, dass sie uns von allen äußeren Sinneseindrücken abschirmen und die Füße in ihrer Bewegungsfreiheit stark einschränken. Falls du nicht schon Barfußschuhe trägst, sieh dir deine Schuhe einmal genau an.

  • Wie sehr entsprechen diese der natürlichen Form deiner Füße?
  • Laufen sie spitz zu, ist die Sohle vorne nach oben gebogen?
  • Ist die Sohle biegsam?
  • Wie viel Bewegungsfreiraum haben deine Zehen?
  • Wie viel zusätzliches Gewicht schleppst du den ganzen Tag mit dir  herum?
  • Und wie fühlst du dich eigentlich wenn du den ganzen Tag mit diesen Schuhen herumgelaufen bist?

Die kurze Fußmuskulatur, das ist die Muskulatur in den Füßen und Zehen, wird durch das Laufen in festen Schuhen größtenteils stillgelegt. Die Bezeichnung „Fußbett“ ist also in den meisten Fällen wirklich treffend.

Bei den meisten konventionellen Schuhen müssen sich die Füße der Schuhform anpassen. Die Zehen haben nicht genügend Platz und werden zusammengedrückt. Das ist besonders bei modischen, spitz zulaufenden Schuhen der Fall. Aber auch Schuhe, die auf den ersten Blick mehr Platz bieten, sind oft im Zehenbereich zu eng. Stell mal deine Füße barfuß neben deine Schuhe und vergleiche die Form.

linker Damenschuh neben linkem Fuß
Ein linker Damenschuh neben einem Fuß, man sieht hier gut, wie wenig dieser der natürlichen Fußform entspricht

Die meisten Menschen haben römische Zehen, das bedeutet, dass der große Zeh am längsten ist. Deutlich weniger Menschen haben griechische Zehen, das bedeutet, der zweite Zeh ist am längsten.

Aber so oder so: Die wenigsten „normalen“ Schuhe geben dem großen Zeh genug Raum, um seine wichtige Stützfunktion zu erfüllen. Meistens sind die Zehen praktisch bewegungsunfähig im Schuh zusammengequetscht. Und das jeden Tag.

Die Muskulatur in den Unterschenkeln (lange Fußmuskulatur genannt) muss diese Bewegungsunfähigkeit der Füße ausgleichen und umso kräftiger arbeiten. Bei jedem Schritt den du machst.

Dadurch kann es sogar zu ziemlich schmerzhaften Überlastungen kommen. Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn deine Schienbeine oder Waden weh tun nachdem du lange auf den Beinen warst.

Aber nicht nur Überbelastung kann unangenehme Nachwirkungen haben. Die Untätigkeit tut auch deinen Füßen nicht gut.

Wenn ein Körperteil über lange Zeit unterfordert wird, wird er schwach. Die Muskeln verkümmern, die Sehnen und Gelenke werden unbeweglich. Die Muskulatur ist irgendwann nicht mehr in der Lage, die natürliche Form des Fußes zu erhalten.

Die Fußgewölbe sowie der gesamte Halteapparat werden instabil und es kann mit der Zeit zu bleibenden Verformungen bzw. Fehlstellungen kommen. Hierzu zählen die bekannten Probleme wie Spreiz- Knick-, Senk-, und Plattfuß.

Außerdem können verschiedene schmerzhaften Veränderungen wie Hammerzehen, Hallux Valgus oder Fersensporn auftreten.

In diesem Video wird sehr anschaulich gezeigt, wie sich zu enge Schuhe auf die Position der Großzehe auswirken und welche Auswirkungen das auf das das Fußgewölbe hat. Das Video ist auf Englisch, aber auch die Bilder sprechen für sich.

Es geht bei der Wahl der richtigen Schuhe auch nicht nur um deine Füße. Sowohl Schuhe mit Sprengung als auch gedämpfte Schuhe verändern deine Haltung und damit die Bewegungsabläufe im gesamten Körper. Dein Körper ist eine Einheit, deswegen können ungeeignete Schuhe nicht nur Schmerzen in den Füßen selbst verursachen.

Das Ungleichgewicht überträgt sich auf alle darüber liegenden Strukturen. Angefangen von Problemen mit dem sehr nahe gelegenen Kniegelenk kann es zu Hüft- und Rückenschmerzen und sogar zu Nackenverspannungen kommen.

Fußbett und Gesundheitsschuhe

Als besonders gesund werden ja oft Schuhe mit ausgeprägtem Fußbett angepriesen. Aber auch die sind nicht die Universallösung.

Zum einen sind Füße von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, so dass ein solches Fußbett nicht für jeden passend ist. Für einen perfekten Sitz müsste das Fußbett individuell angefertigt werden.

Dazu wird durch ein ausgeprägtes Fußbett der Fuß nur in der vorgegebenen Form gehalten, die Muskulatur bleibt aber weiter inaktiv und wird immer schwächer.

Außerdem sind die Sohlen dieser Schuhe meistens sehr dick und starr, der natürliche Abrollvorgang wird behindert.

Bei vielen so genannten Gesundheitsschuhen die hinten nicht geschlossen tritt oft noch ein weiteres Problem auf: Diese sitzen sehr locker, und so muss der Fuß den Schuh bei jedem Schritt festhalten. Das passiert durch – meist unbewusste – Greif- oder Streckbewegungen der Zehen. Die werden bei jedem Schritt ausgeführt, was mit der Zeit zu Verspannungen und Schmerzen führen kann.

Das Gleichgewicht

Durch dicke oder starre Schuhsohlen verlieren wir den Kontakt zum Untergrund.  Wir spüren immer nur das Gleiche: Die Schuhsohle. Die Fußsohle besitzt aber eine Vielzahl von Nervenzellen und ist ähnlich empfindlich wie unsere Handflächen.

Diese Nervenzellen geben normalerweise viele Informationen wie Temperatur und Bodenbeschaffenheit an das Gehirn weiter, die ebenfalls sehr wichtig für eine gute Körperstatik und den Gleichgewichtssinn sind.

Unser Körper braucht Bodenkontakt um das Gleichgewicht richtig ausbalancieren zu können. Wenn du versuchst mit stark gedämpften Schuhen auf einem Bein zu stehen und das Gleiche dann ohne Schuhe ausprobierst wirst du wahrscheinlich bemerken, dass du barfuß einen viel stabileren Stand hast.

Die eingebaute Dämpfung

Tragen wir weiche Sohlen, die den Auftritt abfedern, treten wir automatisch fester auf. Ohne diese weichen Sohlen wäre der Auftritt schmerzhaft. Tatsächlich führt die Dämpfung aber nur dazu, dass wir den Schmerz des festen Aufpralls nicht punktuell spüren.

Die auf den Fuß wirkenden Kräfte verschwinden nicht einfach, sie werden von der Sohle nur kurzfristig absorbiert und dann sofort an wieder an den Körper abgegeben. Mit gedämpften Sohlen ist sogar die Kraft, die bei der Vorwärtsbewegung auf den Körper einwirkt wesentlich höher als mit dünnen Sohlen oder barfuß.

Warum Barfußschuhe - Der Ballengang
Der Ballengang

Unsere Füße selbst sind so aufgebaut dass eine natürliche Dämpfung durch die Bewegungsabläufe entsteht. Laufen wir in festen Schuhen, machen wir große Schritte und treten mit der Ferse zuerst auf.

Das Bein ist beim Auftreten gestreckt, die Kräfte beim Aufprall auf den Boden wirken unmittelbar durch den ganzen Körper.

Laufen wir barfuß oder in Barfußschuhen ist diese Gangart schmerzhaft. Dadurch ändern wir unseren Laufstil auf eine ganz natürliche Weise oft ganz automatisch hin zum Mittelfuß- oder Ballengang. Wir verkürzen unsere Schritte und setzen den Fuß instinktiv flacher auf, dabei berührt der Mittelfuß oder der Vorfuß zuerst den Boden.

Barfußschuhe zur Erholung

Je natürlicher die Bewegungsabläufe die wir ausführen, desto besser kann der Körper als Einheit im Gleichgewicht bleiben. Barfußschuhe haben die perfekten Eigenschaften: Sie haben dünne Sohlen und sind leicht und flexibel. Und sie passen sich der Form deiner Füße an, damit die sich ungestört bewegen können.

Ohne feste Schuhsohlen kannst du also deine Bewegungsfreiheit und wichtige Sinneswahrnehmungen zurückgewinnen. Und deine Umgebung ganz neu entdecken.

Dazu wirkt das Gehen in Barfußschuhen wie eine angenehme Massage und verbessert damit die Durchblutung. Nicht zu vergessen dass es sich einfach unglaublich gut anfühlt und Spaß macht!

Das Barfußlaufen und auch das Laufen in Barfußschuhen trainiert und kräftigt deine Fußmuskulatur. Der gesamte Fuß wird beweglicher und stabiler und das Fußgewölbe kann sich wieder aufrichten.

Die Zehen haben wieder mehr Bewegungsfreiheit und können ihre natürlichen Greif- und Abstoßbewegungen beim Laufen ausführen. Durch einen natürlichen Bewegungsablauf wird die gesamte Körperkoordination positiv beeinflusst und auch die Durchblutung wird verbessert.

Die Schuhe die du trägst haben einen großen Einfluss auf deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Gönne deinen Füßen doch öfter mal ein bisschen Urlaub und laufe so oft wie möglich barfuß oder in Barfußschuhen.

Möchtest du mehr über Barfußschuhe erfahren? Dann lies weiter und entdecke die Welt der Barfußschuhe: Barfußschuhe entdecken – Barfußgefühl für deinen Alltag.

Wenn du noch Fragen hast, schau dir die FAQ an. Dort habe ich für dich viele Antworten auf die meistgestellten Fragen zu Barfußschuhen.