Richtig laufen mit Barfußschuhen

Richtig laufen mit Barfußschuhen
Barfuß oder mit Barfußschuhen richtig laufen

Wusstest du, dass Schuhe deinen Gang und damit deine gesamte Körperstatik verändern?

Mit Barfußschuhen kannst du lernen, zu einem natürlicheren Laufstil zurückzukehren.  Erfahre hier, wie du barfuß oder mit Barfußschuhen richtig läufst.

Wenn du gerade erst anfängst mit Barfußschuhen zu laufen, kann sich das noch sehr ungewohnt, möglicherweise auch „falsch“ anfühlen. Das ist aber ganz normal.

Mit  den Schuhen die du sonst trägst, hast du dich an einen ganz anderen Laufstil gewöhnt. Viele natürliche Bewegungsmuster hast du dadurch einfach verlernt. Mit Barfußschuhen kannst du diese wieder neu entdecken.

Unterschiedliche Bewegungsabläufe

Die meisten Schuhe haben steife, dicke Sohlen, sie sind gedämpft oder haben Absätze. Diese Schuhe zwingen uns zum Fersengang, das bedeutet dass der Fuß zuerst mit der Ferse auf den Boden auftrifft. Es ist mit den meisten konventionellen Schuhen gar nicht möglich, anders aufzutreten.

Der Fersengang kann ohne Schuhe oder mit Barfußschuhen schmerzhaft sein. Aber nicht, weil uns die dringend benötigte Dämpfung fehlen würde, sondern weil der Fersengang in dieser Form nicht unserem natürlichen Bewegungsablauf entspricht, unser Körper ist darauf nicht ausgerichtet.

Aber genau so haben wir es als Kind gelernt: Immer mit der Ferse zuerst auftreten und dann schön nach vorne abrollen. Kinder gehen nämlich anfangs noch ganz natürlich und treten viel flacher auf, oft auch mit dem Ballen zuerst.

Vielleicht hast du schon vom Ballengang gehört oder diesen sogar schon ausprobiert. Viele tun sich schwer damit. Es ist auch nicht ungewöhnlich wenn du den Ballengang barfuß hinbekommst, aber nicht mit Barfußschuhen.

Die gute Nachricht: Es ist gar nicht zwingend notwendig, dass du immer mit dem Ballen zuerst den Boden berührst.

Wie man denn nun richtig läuft, das ist gar nicht so einfach zu erklären. Zum einen gibt es nicht den einen richtigen Gang. Jeder Mensch hat einen etwas anderen Körperbau, eine etwas andere Art sich zu bewegen, eine andere Schrittlänge.

Der eine läuft schnell, der andere eher etwas langsamer. Schließlich hängt die Gangart auch von vielen unterschiedlichen Faktoren wie z. B. dem Untergrund ab.

Eigentlich ist das Auftreten an sich auch gar nicht das große Geheimnis des Barfußgehens. Es ist nur das Endergebnis. Wenn du barfuß läufst, ändern sich nämlich nicht nur die Bewegungsabläufe deiner Füße.

Auch die Knie, die Hüfte und sogar deine Arme bewegen sich anders. Das ist mit ein Grund, warum es sich anfangs so fremd anfühlt, barfuß oder mit Barfußschuhen zu laufen. Der gesamte Körper muss sich anpassen.

Der Fersengang

Der Fersengang
Der Fersengang

Sehen wir uns zuerst einmal an wie der Fersengang abläuft. Wenn du losläufst, beginnend mit dem linken Bein, was tust du?

Die meisten Menschen schwingen zuerst das  linke Bein gerade nach vorne. Der Fuß wird dabei zum Knie hochgezogen. Dann lassen sie sich mit gestrecktem Bein nach vorn fallen, bis ihre Ferse auf dem Boden auftrifft.

Sie rollen mit dem linken Fuß nach vorne ab, dabei bleiben die Zehen meist passiv. Ihren Oberkörper ziehen sie dabei mit nach vorne. Danach schwingen sie das andere Bein nach vorne für den nächsten Schritt.

Wenn du auch auf diese Art läufst passieren zwei Dinge:

Du läufst vor deinem Körperschwerpunkt. Die Beine bewegen sich weniger unter dem Körper, sondern eher davor.  Das beeinflusst die gesamte Körperstatik.

Was noch passiert:

Du landest mit vollem Gewicht auf Ihrer Ferse, und das bei meist gestrecktem Bein. Die Wucht des Aufpralls spürst du vielleicht nicht so sehr, gerade wenn du gedämpfte Schuhe trägst. Aber auch diese Schuhe können den Aufprall nicht mindern, es fühlt sich lediglich so an.

Diese Aufprallkräfte wirken ungebremst auf den gesamten Körper. Auf das Sprunggelenk, weiter über das Knie, die Hüfte, durch den Rücken bis in den Kopf hinauf. Bei jedem Schritt. Versuche einmal, diese Stöße bewusst zu spüren.  Wenn du dir beim Laufen die Ohren zuhältst, dann kannst du diesen Aufprall sogar hören.

Der natürliche Gang

Der Ballengang
Der Ballengang

Wie kannst du dich also natürlicher bewegen, wenn du barfuß oder mit Barfußschuhen läufst?

Dein Körper kann wie eine Feder wirken und den Auftritt selbst dämpfen kann, so dass Gelenke, Sehnen und Bänder entlastet werden.

Wenn du nun mit dem linken Bein einen Schritt nach vorne machen möchtest, beginne die Bewegung dieses Mal mit dem rechten Bein.

Du schiebst damit deinen Körper nach vorne und stößt dich mit dem rechten Bein nach vorne ab. Spanne für diese Vorwärtsbewegung deine Gesäßmuskeln sowie die hinteren Oberschenkelmuskeln an. Drücke dich sich mit den Zehen aktiv ab.

Das linke Bein bewegt sich nur wenig nach vorne. Die Bewegung entsteht dadurch, dass du deine Hüfte leicht nach vorne schiebst. Das Bein selbst bleibt locker und im Knie gebeugt.

Auch das Sprunggelenk bleibt entspannt, der Fuß wird nicht nach oben in Richtung Knie gezogen, dadurch wird der Auftritt flacher. Du setzt dann deinen linken Fuß nur kurz vor dem Körper wieder auf, ganz ohne Anstrengung.

Wenn du das linke Bein nicht so weit nach vorne streckst wie beim Fersengang, landest du vielleicht automatisch auf dem Vorfuß oder dem Mittelfuß. Möglicherweise berührt auch immer noch deine Ferse zuerst den Boden.

Da du jetzt viel flacher auftrittst, geschieht dies aber viel sanfter als zuvor. Außerdem läufst du auf diese Art genau unter deinem Körperschwerpunkt und erreichst so insgesamt eine wesentlich bessere Balance und Stabilität.

Wichtig ist, dass du deine Arme beim Gehen frei bewegen kannst. Stecke also die Hände besser nicht in die Taschen, auch das stört die natürlichen Bewegungsabläufe. Wenn deine Arme frei schwingen können, bewegen sie sich beim Laufen mit. Es ist nicht nötig, die Arme bewusst zu schwingen das passiert ganz von selbst. Lass es einfach nur zu.

Die Umstellung

Wenn du barfuß oder in Barfußschuhen läufst kann es sein, dass du schon nach kurzer Zeit deine Bewegungsabläufe ganz automatisch anpasst ohne darüber nachzudenken. Hör auf deinen Körper, spüre was sich gut anfühlt und was nicht.

Einigen Menschen fällt diese Umstellung etwas schwerer, da die gewohnten Bewegungsabläufe so automatisch ablaufen.  Sie wurden schließlich schon millionenfach ganz selbstverständlich ausgeführt. Ungewohnte Bewegungsmuster müssen immer erst eingeübt werden bis sie selbstverständlich werden.

Bleib ganz entspannt und lass dir Zeit. Spüre die Bewegungen. Experimentiere ruhig ein wenig, finde heraus was sich gut anfühlt. Hör auf deinen Körper, der sich sicher bald daran erinnern wird, wie natürliche Bewegung funktioniert. Denn als Kind bist du schon instinktiv so gelaufen.

Es ist möglich, dass du das Laufen ohne Schuhe bzw. mit Barfußschuhen am Anfang noch als anstrengend empfindest. Du kannst möglicherweise Muskeln spüren, deren Existenz dir vorher gar nicht bewusst war.

Vielleicht bekommst du sogar Muskelkater. Nicht nur in den Füßen selbst, sondern beispielsweise auch in den Beinen, besonders in der Waden- Gesäß- und hinteren Oberschenkelmuskulatur. Lege in dem Fall einfach eine Pause ein.

Das alles ist kein Grund zur Sorge, sondern sogar ein gutes Zeichen: Du baust die Muskulatur, die lange ruhig gestellt war, nun wieder auf. Damit bringst du deinen Körper zurück ins Gleichgewicht. Du wirst sicher schnell bemerken, wie gut es dir tut, dich natürlich zu bewegen.

Beschwerden wie Nackenverspannungen, Rückenschmerzen, Schmerzen in Füßen, Knien oder Hüfte, die durch das vorherige Ungleichgewicht entstanden sind, können sich bessern oder auch ganz verschwinden.

Besonders wenn du unter Schmerzen im unteren Rücken leidest, kannst du von der Kräftigung deiner Gesäß- und hinteren Oberschenkelmuskulatur profitieren: Durch diese Muskelgruppen wird im Zusammenspiel mit den Bauchmuskeln die Lendenwirbelsäule stabilisiert.

Die Muskulatur stellt sich schnell auf die neue Gangart ein. Etwas länger dauert es bei Sehnen, Gelenken und auch der Haut. Lass es langsam angehen und überfordere dich nicht. Im schlimmsten Fall könnte es sonst zu Muskel- und Sehnenentzündungen kommen. Gehe also zuerst kürzere Strecken und steigere dich dann nach und nach, so wie es deinem Körper gut tut.

Je nach Fitnesszustand und je nachdem welche Schuhe du normalerweise trägst kann die Umstellung sehr schnell gehen oder auch etwas länger brauchen. Möglich sind wenige Wochen bis zu einem Jahr oder auch länger.

Dies ist natürlich auch stark davon abhängig, welche Strecken du laufen möchtest. Wenn du Barfußschuhe im Alltag trägst und nicht allzu weit läufst, wirst du dich schnell umstellen. Beim Sport, insbesondere beim Laufsport benötigst du mehr Geduld.

Gib deinem Körper die Zeit die er benötigt und lass dich nicht gleich entmutigen, auch wenn nicht sofort alles reibungslos funktioniert.

Wenn du dich noch intensiver mit dem Thema Ballengang beschäftigen möchtest, empfehle ich dir den kostenlosen Ballengang-Fernkurs auf www.ballengang.de.

Barfußlaufen erleben

Ist dir das zu theoretisch? Es gibt auch Workshops, bei denen du das Barfußlaufen mit Anleitung direkt erleben kannst.

Wie z. B. bei Lauftherapeut Jörg Schimitzek. In seiner  Laufschule Westerwald bietet er einen spannenden und erlebnisreichen Workshop zum Thema barfuß laufen an. Jörg geht, wandert und läuft selbst schon seit einigen Jahren barfuß oder in Minimalschuhen und kann dir nicht nur spannendes Wissen vermitteln.

Es gibt neben der Theorie auch viele praktische Übungen, bei denen du deinen Körper und die Natur wieder ganz neu erspüren kannst.

Vor allen Dingen wenn du lange Trekkingtouren machen möchtest oder Barfußschuhe beim Laufsport tragen möchtest, braucht die Umstellung mehr Zeit als beim Gehen im Alltag. Wenn du Überlastungen und Verletzungen durch einen zu schnellen Einstieg vermeiden möchtest, kannst du dir hier wertvolle Praxistipps vom Profi holen.

 

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